Über 30 Jahre volle Leidenschaft für die Geschichte
Museumsleiterin Maria Polatowski-Ruprycht geht in den Ruhestand
Ihr Name wird sicherlich immer mit Dietzenbach und dem Historischen Museum verbunden sein: Maria Polatowski-Ruprycht hat das Erleben und den Erhalt der Geschichte Dietzenbachs sowie die Weiterentwicklung und den Ausbau der historischen Stätte in der Darmstädter Straße 7-11 in den vergangenen 34 Jahren maßgeblich, mit viel Verantwortung und großer Hingabe initiiert und begleitet. So lautet die einhellige Meinung zur heutigen Museumsleiterin, die zum Jahresende 2025 in den Ruhestand gehen wird. Der Abschied fällt der Kunsthistorikerin keineswegs leicht: „Meine Arbeit hat mir all die Jahre eine solch große Freude bereitet, dass ich mich sicherlich auch noch weiter engagieren werde – ich fühle mich gar nicht bereit für den Ruhestand“, sagt sie mit einem Zwinkern in den Augen. Für Maria Polatowski-Ruprycht bedeutete der berufliche Schritt in den Dienst der Stadt und ins damalige Heimatmuseum im Jahr 1991 „wahrlich eine Fügung“ – für ihre Leidenschaft und das große Interesse an Geschichte. Und diese ist für sie „auch heute noch spannend – immer wieder“, sagt sie.
Anfang Dezember wurde Maria Polatowski-Ruprycht im Dietzenbacher Rathaus für ihre langjährige Dienstzugehörigkeit geehrt und offiziell in ihren Ruhestand verabschiedet – mit großem Dankeschön und den besten Wünschen von Bürgermeister Dr. Dieter Lang, Erstem Stadtrat René Bacher sowie den Vertreterinnen von Personalabteilung und Personalrat der Stadtverwaltung. „Maria Polatowski-Ruprycht hatte im Museum nicht nur den Hut auf. Sie hat dort mit viel Liebe, Wissen und Überzeugung ihre lebendige Handschrift hinterlassen – das wirkt nach. Unser Dietzenbacher Museum wird immer fest mit ihrer Arbeit verbunden sein und soll auch weiterhin der Stadtgemeinschaft von Jung bis Alt spannende historische Einblicke und Erfahrungen bieten“, sagt Bürgermeister Lang. Erster Stadtrat Bacher spricht von einer „Lebensleistung: Marias Arbeit wird gesehen und ist hoch geschätzt. Darüber hinaus ist ihre Tätigkeit mit Kindern absolut bemerkenswert. Und es ist beeindruckend, wie ihr Wirken die Geschichte immer wieder lebendig macht – sie schafft es mühelos, historische Themen in die Bevölkerung zu tragen“, so Bacher.
Ein berufliches Leben für Geschichte(n)
Die in Polen geborene und heute in Heusenstamm lebende Maria Polatowski-Ruprycht absolvierte 1989 ihr Studium der Kunstgeschichte, der klassischen Archäologie sowie der mittleren und neueren Geschichte an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main, wo sie im Anschluss daran zwei Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig war. Im Oktober 1991 bewarb sie sich auf eine Stellenausschreibung des damaligen Kulturamtsleiters und 1. Vorsitzenden des Dietzenbacher Heimatvereins Heinrich Steinheimer – erfolgreich: So trat die Kunsthistorikerin ihren Dienst bei der Stadt Dietzenbach im damaligen „Heimatmuseum“ an, zunächst befristet. Unter Dietzenbachs Bürgermeister Jürgen Heyer erfolgte im Jahr 1993 die unbefristete Übernahme und Einstieg in die Museumsleitung. Nachdem Maria Polatowski-Ruprycht 2016 ihr 25-jähriges Dienstjubiläum feiern konnte, erfolgt nun neun Jahre später – mit einem kleinen sowie selbst gewünschten zeitlichen Aufschub – der Renteneintritt und damit das Ausscheiden aus dem Dienst zum 31. Dezember 2025.
Meilensteine ihres Wirkens in der Übersicht (Auswahl)
1990er Jahre
- Archivierung: Innerhalb der zunächst befristeten Tätigkeit Inventarisierung aller Gegenstände, welche die Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins gesammelt hatten.
- Übernahme der Museumsleitung: Beginn ihrer Tätigkeit als Leiterin des Heimatmuseums Dietzenbach.
- Grundlegende Modernisierung: Sanierung und Umbau des Museums (Fachwerkhaus) sowie Neukonzipierung der Sammlung hin zu einem modernen, interaktiven „Lern- und Erlebnisort“.
2000–2010
- Neubau zum Hessentag: Museumserweiterung, Gestaltung mit neuen Themenschwerpunkten (2001)
- Neugestaltung und Konzipierung der Abteilung „Landwirtschaft“ (2003)
- Neukonzipierung des Fachwerkhauses (2004 – 2005)
- Erweiterung der Ausstellungsfläche: Anbau und Einrichtung einer Textilabteilung (2006)
- Einführung museumspädagogischer Konzepte: Start von Projekten für Kinder und Familien (z. B. Suchspiele, Mitmachstationen).
- Unterstützung des Arbeitskreises „Schule und Museum“ (seit 1991 ist sie Mitglied im ehrenamtlichen Arbeitskreis, die Gründung erfolgte 1989).
- Kooperationen mit Schulen, Kindertagesstätten und VHS: Entwicklung von Unterrichtsmaterialien und Museumskoffern für den Einsatz im Unterricht.
- Erweiterung der Sammlung: Integration zahlreicher Exponate aus Spenden der Bevölkerung.
2012
- Neue Abteilung „Film und Kinogeschichte“: Einrichtung einer eigenen Abteilung zur Geschichte des Films und Kinos in Dietzenbach.
2015–2020
- Technische Modernisierung: Umrüstung der Beleuchtung auf LED sowie brandschutztechnische Anpassungen.
- Erneuerung der Dauerausstellung: Integration von Videofilmen, Modellen und interaktiven Stationen.
- Umrüstung des Mehrzweckraums als „Kinoraum“.
- Angebote für Kinder: Mitbegründung des „Kids Club“ im Jahr 2019 – Ziel des außerschulischen Bildungsangebots ist es, Kulturgeschichte für Führungen und praktischen Workshops begreifbar zu machen
2020–2025
- Neukonzipierung des Eingangsbereiches und der Schmiede
- Stärkung der interaktiven Vermittlung: Ausbau von Multimedia-Stationen.
- Kulturelle Vernetzung: Intensivierung der Zusammenarbeit mit Schulen, Vereinen und der Volkshochschule.
- Besucherorientierung: Erfolgreiche Konzepte zur Ansprache von Familien und Menschen mit Migrationshintergrund.
Langfristige Verdienste
- Transformation des Museums: Vom klassischen Ausstellungsraum hin zu einem lebendigen Erlebnis- und Lernort.
- Nachhaltige Steigerung der Attraktivität und Besucherzahlen.
- Verankerung des Museums als außerschulischer Lernort in der Region.
Darüber hinaus ist Maria Polatowski-Ruprycht bis heute ehrenamtliche Mitarbeiterin im Denkmalbeirat bei der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises Offenbach – die Berufung erfolgte bereits 2006.