Die Kita als »Familienzentrum«
Kita 7 mit Schwerpunkt auf familienbezogene Leistungen
„Unser Ziel ist es, Kinder nachhaltig, intensiv und individuell in ihrer Entwicklung zu begleiten und zu fördern. Darüber hinaus sind wir auch ein Haus für die ganze Familie und bieten vielfältige Begegnungs- und Unterstützungsangebote für Eltern an.“ So beginnt die verschriftlichte, pädagogische Konzeption der Kita 7 „Kinderburg“ in der Laufacher Straße in Dietzenbach, im östlichen Spessartviertel. Die Einrichtung versteht sich neben ihrem Wirken zur Entwicklung der Kinder als Haus für die ganze Familie – so ist sie als sogenanntes „Familienzentrum“ ausgewiesen.
Was verbirgt sich dahinter? „Familienzentren in Hessen sind Knotenpunkte in einem Netzwerk von Kooperation und Information, die verschiedene familienbezogene Leistungen bieten und entwickeln“, beschreibt René Bacher, Dietzenbachs Erster Stadtrat und Sozialdezernent, das Konzept. Karin Fiedel, Abteilungsleiterin Kindertagesstätten der Kreisstadt Dietzenbach fügt hinzu: „Sie sind offen für Menschen aller Generationen, Kulturen und erleichtern die Integration von Migranten. Die Landesservicestelle für Familienzentren in Hessen unterstützt die Einrichtungen im Land mit vielfältigen Fachinformationen, Fortbildungs- und Beratungsangeboten.“
Wie sieht dieses Angebot konkret aus in der „Kinderburg“? Kita-Leiterin Melanie Walter erklärt: „Als Familienzentrum ist es uns ein ganz großes Anliegen, passende Begegnungs- und Unterstützungsangebote für die gesamte Familie zu bieten.“ Sie stellt als fundierte Grundlage die drei Säulen des Familienzentrums vor, durch die das Konzept in der Kreisstadt funktioniert: Es handelt sich um die gute Zusammenarbeit und verlässliche Partnerschaft der drei Akteure Kita Kinderburg, städtisches Quartiermanagement und des Vereins SG Dietzenbach. „Das östliche Spessartviertel ist ein multikulturell geprägter Stadtteil, rund 95 Prozent der Bewohner haben einen Migrationshintergrund, weit über 80 Nationen sind hier vertreten“, so Walter weiter, und ergänzt: „Als Grundlage der Arbeit in unserer Kindertagesstätte verstehen wir die Kita 7 als einen besonderen Ort, an denen sich Kinder und Familien unterschiedlicher Nationen, Konfessionen und sozialer Schichten, inklusiv Miteinander und Voneinander lernen. Wertschätzung für jeden einzelnen Menschen steht für uns an erster Stelle.“
Das Familienzentrum will alle Familien im Sozialraum mit einbeziehen, Menschen in vielfältigen Lebenslagen erreichen und Stigmatisierungen vermeiden. Genau dafür stehen wir“, so Walter. So sind Familien mit unterschiedlichen Kulturen eine Selbstverständlichkeit und werden in der Einrichtung stets als Bereicherung angesehen. „Wir schätzen die unterschiedlichen Erfahrungen, Sprachen, interkulturellen Zusammenhänge und unterstreichen dies sowohl in unserem erzieherischen Alltag als auch in vielfältiger Projektarbeit und Festgestaltung“, erklärt die Kita-Leiterin. „Bei gemeinsamen Veranstaltungen und Buffets unterstützen uns beispielsweise die Familien mit ihren kulturellen Besonderheiten und tragen somit zum Gelingen und Kennenlernen von Vielfalt bei.“ Der interkulturelle Ansatz der Arbeit spiegelt sich auch in der Zusammensetzung des pädagogischen Teams wider, in dem sich unterschiedliche sprachliche und kulturelle Kompetenzen vereinen und ergänzen. Dazu komme die gute Zusammenarbeit mit den in der Nachbarschaft gelegenen Kitas 9 und 12.
Vielfältige Angebote im Familienzentrum Kita und Bildungshaus
Mit dem Stichwort Begegnung wird in der Kita Kinderburg etwa ein wöchentlich stattfindendes Elterncafé zum Austausch und Kontakteknüpfen angeboten. Für Eltern und Kinder finden Aktionen statt, wie zum Beispiel Outdoor-Spiele-Ferien, Abenteuer Lagerfeuer, Fit für die Schule, Frauengesundheit oder Kindheit und Medien durch die Elternbegleiterin Anja Kerwel. Eltern von Neugeborenen erhalten in der Kita 7 auch das städtische Willkommenspaket. Es werden Feste angeboten, darunter das beliebte Nachbarschaftsfest im Spessartviertel gemeinsam mit weiteren Partnern. Als Bildungsevents finden unter anderem Vorträge und Austauschmöglichkeiten für Eltern zu verschiedenen Erziehungs- und Familienthemen statt. Gemeinsam mit dem Quartiersmanagement und mit der Stadt bietet die Kita Beratung, offene Sprechstunden sowie Formular- und Behördenhilfe an.
Familien werden durch das pädagogische Personal zu vielfältigen Themen beraten und unterstützt, es gibt eine Vermittlung zu verschiedenen Hilfsangeboten, wie Beratungsstellen, Kinderschutz oder allgemeinen pädagogischen Themen. Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit den Dietzenbacher Grundschulen, „gemeinsam gestalten wir die Übergänge der zukünftigen Schulkinder“ so Kita-Leiterin Melanie Walter. Auch die Hortkinder werden im engen Kontakt mit den weiterführenden Schulen im Übergang begleitet.
Vom Bau bis zum Familienzentrum
Die „Kinderburg“ wurde 1974 eröffnet und bot Platz für 80 Kindergarten- und 20 Hortkinder. Der Name basiert auf einem damals neuen baulichen Konzept aus mehreren Einzelgebäuden mit Verbindungsräumen und Gängen zusammen. 1998 wurde das große Außengelände in einen naturnahen Spielbereich umgestaltet. In einer Gemeinschaftsaktion mit der Stelle für Spielraumplanung in Gießen, der Ahmadiyya Gemeinde, Nachbarn, Kollegen und Kolleginnen, Eltern, Mitarbeitern der Städtischen Betriebe, Mitgliedern verschiedener Vereine wie die Pfadfinder und die Jugendfeuerwehr sowie Fachoberschüler der Landrat-Gruber-Schule in Dieburg konnte das Projekt verwirklicht werden. Seit 2018 bildet die Kindertagesstätte, zusammen mit dem Quartiersmanagement im Dietzenbacher Bildungshaus und der Sportgemeinschaft Dietzenbach 1945 e.V. das Familienzentrum Kinderburg der Kreisstadt Dietzenbach.
Kita 7 im Profil
Der pädagogische Tagesablauf in der Kita 7 folgt einem teiloffenen Konzept – die Kinder im Kindergarten sind einer festen Gruppe zugeordnet. Zwei Gruppen bilden dabei jeweils ein Tandem, das heißt die Gruppen unterstützen sich gegenseitig in ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag. Je nach Bedürfnis und Interesse können die Kinder auch in andere Räume wechseln. Der Hort der Kinderburg verfolgt das offene Konzept, den Kindern steht dafür das gesamte Obergeschoss zur Verfügung. Zu finden sind dort Räume zum Werken, Bauen, für Rollenspiele, zum Erledigen der Hausaufgaben oder zur Entfaltung der eigenen Kreativität. Auch den Kindergartenkindern stehen diese Bereiche in Begleitung des pädagogischen Personals zu Verfügung.
Das Miteinander und Voneinander lernen, vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Kulturen, steht im Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit. In der Kinderburg stehen neben der Förderung der deutschen Sprache außerdem die Bewegungserziehung und die Naturerfahrungen im Vordergrund. Ziel ist es immer, das Selbstkonzept des Kindes und seine Kompetenzen anhand von Wertschätzung und Anerkennung zu stärken. Als Pluspunkt der Kita 7 ist neben dem Familienzentrum und dem übergreifenden Arbeiten von Kindergarten und Hort auch die enge Zusammenarbeit mit dem Kooperationsprojekt der Theresien Kinder- und Jugendhilfe Kreis Offenbach gGmbH zu nennen. Seit 2013 unterstützen Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen die Einrichtung in sozialer Gruppen- und Einzelarbeit.
In der Kita Kinderburg werden ganztags bis zu 100 Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren in 4 Gruppen betreut. Den Hort Kinderburg besuchen 40 Kinder von 6 bis 10 Jahren. Die Kinder kommen aus insgesamt 21 Nationen.