Sprache, Bücher und Natur lassen Kinder wachsen
Portrait der Kita 11 „Kinderinsel“
„Sprache und Natur sind Schätze, die Kinder wachsen lassen“ – unter diesem Motto begleitet die Kita 11 „Kinderinsel“ mehr als 180 Kinder auf ihrer täglichen Entdeckungsreise. Die größte Kindertagesstätte der Kreisstadt Dietzenbach befindet sich im Ortsteil Steinberg, Am Stiergraben 34. Als zertifizierte Buchkita spielen dort Sprache, Vorlesen und eine lebendige Bilderbuchkultur eine zentrale Rolle. Ebenso wichtig sind die Naturgruppe sowie der kitaeigene Naschgarten – beide setzen vielfältige Impulse im Bereich Natur- und Gartenpädagogik. Und ein weiterer fester Baustein im pädagogischen Konzept der Kita: In der beliebten „Piratenreise“ erleben die Vorschulkinder zusätzlich spannende, schulvorbereitende Abenteuer.
„Mit einem großen pädagogischen Schwerpunkt auf der Sprach- und Leseförderung legt das Kita-Team einen elementaren Grundstein dafür, dass sich die Kinder in ihren Potenzialen und Kompetenzen gut und sicher entwickeln können“, so Erster Stadtrat und Sozialdezernent René Bacher. „Darüber hinaus wird besonders das Natur- und phantasievolle Erlebnisangebot unserer ‚Kinderinsel‘ besonders geschätzt von den Familien.“
Ganz groß geschrieben: Frühkindliche Sprach- und Leseförderung
„Sprache ist der Schlüssel zur Welt und ein wichtiger Baustein für die Zukunft unserer Kinder“, erklärt Kathrin Lyrhammer, Leiterin der Einrichtung. „Frühkindliche Sprach- und Leseförderung ist entscheidend für gerechte Bildungschancen. Deshalb gestalten wir unseren Alltag bewusst reich an sprachlichen Anregungen.“ So etwa: Kinder lernen in der Kita 11, ihre Bedürfnisse, Gedanken und Gefühle auszudrücken und mit anderen in den Dialog zu treten. Unterstützt wird dies durch eine gelebte alltagsintegrierte Sprachbildung und eine eigens eingesetzte Sprachförderkraft. Die Familiensprachen der Kinder werden als Bereicherung gesehen, als Teil eines lebendigen, interkulturellen Miteinanders.
Regelmäßiges Vorlesen, Buchaktionen – auch in Kooperation mit der lokalen Buchhändlerin Jutta Schmitt („Bücher bei Frau Schmitt“) – , eine eigene Buchausleihe, mehrsprachige Vorleseangebote sowie eine wöchentliche Erzählwerkstatt fördern nicht nur die Sprechfreude, sondern auch Phantasie, Einfühlungsvermögen und Ausdruckskraft. „Als Buchkita legen wir großen Wert darauf, Kinder nicht nur mit Büchern vertraut zu machen, sondern auch ihre Erzählfreude und Ausdrucksfähigkeit zu stärken. Denn: Wer erzählen kann, findet seinen Platz in der Welt. Und wenn Kinder gerne sprechen, wachsen nicht nur ihre Worte, sondern auch ihr Mut, ihre Neugier und ihr Selbstvertrauen“, erläutert Lyrhammer.
Geschichten beflügeln Phantasie und stärken Erzählkompetenz
So ist etwa jeden Freitag in der Kita 11 „Geschichten-Tag“: Dann begleitet Astrid Spina, als Fachkraft zuständig für die Sprachförderung in der Einrichtung, erzählfreudige Kinder, allein oder zu zweit, ins Lesezimmer auf die blaue Erzählcouch. Ein Beispiel: Für die sechsjährige Alea ist es bereits ihre achte Geschichte, als sie an einem Tag im Juni 2025 auf der Couch im Lesezimmer sitzt. Dieses Mal erzählt sie von „Minzi, der Katze“, die gemeinsam mit ihren Freunden Geburtstag feiert. Frühere Geschichten handelten von einem kleinen Clown, dem Tiger Tigi, einer Prinzessin oder einer Sonnenblume. Die Themen reichen von Freundschaft und Zusammenhalt bis hin zu Abenteuern und der Verbundenheit mit der Natur. Astrid Spina hört dabei immer aufmerksam zu und schreibt jedes Wort mit – zunächst mit dem Stift, später am Laptop. Die ausgedruckte und bebilderte Geschichte darf Alea wie auch die jeweils anderen Kinder dann als Erinnerung mit nach Hause nehmen. So sind bereits mehr als 1.000 Geschichten im Rahmen dieses langjährig etablierten Erzählangebots der Kita 11 zusammengekommen. „Die ausgedachten Geschichten füllen bereits mehrere Ordner und die Begeisterung daran ist ungebrochen“, so Spina.
Nie wieder im Leben sei der Mensch so kreativ wie in der frühen Kindheit. „Durch das freie Erzählen können Kinder ihre Phantasie zum Leben erwecken“, erklärt Astrid Spina. Auf dem Erzählsofa erfinden die Kinder regelmäßig Figuren, lassen Tiere und Gegenstände sprechen und gestalten ihren ganz eigenen, „magischen“ Blick auf die Welt. Spina weiter: „Neben der Freude am Erfinden spielt natürlich auch die Sprachförderung eine zentrale Rolle. Die Kinder erweitern spielerisch ihren Wortschatz, stärken ihre Erzählkompetenz und erleben, wie Sprache ihnen hilft, Gedanken und Gefühle auszudrücken.“
Gerade in Zeiten, in denen Kinder häufig mit vorgefertigten Medienbildern konfrontiert sind, sei es wichtig, ihnen Raum für eigene Bilder, Gedanken und Worte zu geben, betont Astrid Spina. Passiver Medienkonsum bremse auf Dauer die natürliche Kreativität – eine Schlüsselkompetenz, um Ideen zu entwickeln, die Welt zu verstehen und die eigene Persönlichkeit auszudrücken.
Kita-Leiterin Kathrin Lyrhammer erläutert abschließend: „Unser Erzählprojekt stärkt neben der Sprache auch das Selbstbewusstsein. Kinder erfahren: Meine Stimme zählt. Das, was ich zu sagen, ist wichtig und wertvoll.“
Weitere Angebote in dieser Thematik: Der öffentliche Kinderbücherschrank vor der Kita 11 lädt Familien ein, gemeinsam in die Welt der Bücher einzutauchen. Und das bunte, durch weitere Einrichtungen reisende Bücherschaf „Eleven“ weckt auch über die Kita 11 hinaus die Freude am Vorlesen.
Themenräume und Naturerfahrung
Die acht Kita-Gruppen sind in zwei Tridems und ein Tandem gegliedert – eine Struktur, die auch in einem großen Haus für Geborgenheit und Orientierung sorgt. Gleichzeitig eröffnen Themenräume wie „Bauen“, „Atelier“ oder „Rollenspiel“ vielfältige Möglichkeiten für selbstbestimmtes Spielen und Lernen. Rückzugs- und Lesebereiche laden die Kinder ein, zur Ruhe zu kommen und neue Kraft zu schöpfen.
„Zum Wachsen brauchen Kinder auch Erfahrungen in und mit der Natur“, so Kita-Leiterin Lyrhammer. In der einzigen städtischen Naturgruppe, benannt mit „Die Eulen“, sind deren Kinder also täglich draußen, im nahen Wald oder auf dem Aktivspielplatz „Wilde Wiese“ unterwegs.
Ein besonderer Lern- und Erlebnisort ist der Naschgarten der Kita. Er wurde 2022 als „Internationaler Naschgarten der Generationen“ ausgezeichnet. Dort säen, pflanzen, gießen, ernten und naschen die Kinder mit großer Freude. „Der Naschgarten ist für unsere Kinder ein Erfahrungsraum mit allen Sinnen. Hier wächst nicht nur Gemüse, sondern auch Verantwortungsgefühl, Wissen und Selbstvertrauen“, erklärt Martina Leister, Fachfrau für Gartenpädagogik. Doch der Naschgarten ist auch ein Ort, der Phantasien beflügelt. Neben den hilfsbereiten Naschgartenwichteln ist hier auch ein kleines Gespenst zu Hause, das den Kindern regelmäßig Briefe schreibt…
Erfolge sind Teamwork
Für Kita-Leiterin Kathrin Lyrhammer sind alle Erfolge und Projekte nur im und mit dem Team möglich. Somit schließt sich mit den Worten: „Unsere gute Arbeit wird auf vielen Schultern verteilt, und um in der Piratensprache unserer ‚Kinderinsel‘ zu bleiben: All die Schätze können nur gehoben werden, weil ich solch ein engagiertes, kompetentes Team habe und wir so intensiv, offen und wertschätzend zusammenarbeiten!“