Best Practices: Haus- und Hofbegrünung im Westend
„Dietzenbach begrünt“: Drei Beispiele für gelebten Klimaschutz
Die Kreisstadt Dietzenbach setzt mit dem Förderprogramm „Haus- und Hofbegrünung“ ein starkes Zeichen für Klimaschutz und Lebensqualität. Das Programm unterstützt Eigentümerinnen und Eigentümer dabei, Flächen zu entsiegeln und zu begrünen.
Entsiegelte Flächen und Dachbegrünungen tragen dazu bei, Hitze zu reduzieren, Regenwasser zu speichern und die Biodiversität zu fördern. Das Förderprogramm bietet finanzielle Anreize und fachliche Beratung, um Projekte anzustoßen, die langfristig das Stadtklima verbessern – beginnend auf dem eigenen Grundstück.
Im Westend, einem Gebiet, das laut Klimaanalyse stark belastet ist, gibt es beispielhafte Ergebnisse.
Drei Beispiele aus dem Westend
Familie Reichelt – Entsiegelung und Begrünung für mehr Lebensqualität
Vor rund fünf Jahren wurde das Grundstück der Familie Reichelt bebaut, auf dem mit Unterstützung des Förderprogramms „Haus- und Hofbegrünung“ im vergangenen Jahr rund 30 Quadratmeter Fläche im Vorgartenbereich entsiegelt wurden. Dort wurde stattdessen mit blühenden Pflanzen sowie immergrünen Sträuchern gestaltet. Ziel war nicht nur ein Sichtschutz zum Nachbargrundstück, sondern gleichzeitig ein Beitrag zur ökologischen Vielfalt. Wo eine Entsiegelung aufgrund baulicher Bedingungen nicht möglich war, wurde mit großen Pflanztöpfen gearbeitet. Heute summt und brummt es auch im Vorgarten – zahlreiche Insekten finden dort Lebensraum. Die Umsetzung verlief reibungslos: „Von Antrag bis Fertigstellung ging alles schnell und unkompliziert“, lobt die Familie die Beratung durch das beauftragte Büro Blum Scherer sowie die Expertise der Städtischen Betriebe Dietzenbach. Die Vorschläge zur Begrünung waren fundiert und gut, dabei konnten eigene Vorstellungen und Wünsche eingebracht und umgesetzt werden. Oftmals würden auch Spazierende stehenbleiben, um außergewöhnliche Pflanzen wie beispielsweise den im Herbst blühenden Erdbeerbaum vor dem Haus zu bewundern.
Familie Rogge – Grünes Garagendach als Blickfang und Wasserspeicher
Ein Garagendach wird zur grünen Oase: Der Dietzenbacher Stefan Rogge hat in Eigenleistung sein Dach im Westend begrünt, sodass Regenwasser nicht geradewegs in den Kanal fließt, sondern von Lavaton gespeichert wird und wiederum direkt der Natur zu Gute kommt. Die sowohl hitze- als auch feuchtigkeitsresistenten Pflanzen wuchsen schnell an und sie benötigen heute kaum Pflege. „Das ist so einfach, das kann wirklich jeder machen“, betont Rogge. Neben der schönen Aussicht aus dem Fenster im ersten Stock auf die Dachbegrünung leistet diese nun einen wichtigen Beitrag zur Förderung von Kleinlebewesen und zur Biodiversität.
Familie Köhler – Vom Betonweg zum Naturpfad
Christoph Köhler hat rund 20 Quadratmeter seines betonierten Gartenwegs entsiegelt und durch einen wasserdurchlässigen Belag aus Kies ersetzt. Darunter sorgen Gitter und Schotter für Stabilität beim Laufen, jedoch ohne den Boden zu verdichten. An dieser Stelle hatte sich zuvor bei starkem Regen das Wasser gestaut – nun kann es an Ort und Stelle versickern. „Mir ist Natur wichtig, grüne Orte müssen erhalten werden, egal ob Blüh- oder Nutzgarten. Ich hätte die Maßnahme auch ohne Förderung umgesetzt“, sagt Köhler zur durchgeführten Aktion. Doch das Programm war für ihn ein willkommener Anstoß und die Förderung eine schöne Zugabe. Heute versickert Regenwasser, das er nicht mit seinen Wassertonnen auffängt und zum Gießen nutzt, in seinem Garten problemlos. Zudem zeigt er Vielfalt: Wassertümpel, Insektenhotel und Regenwassernutzung gehörten bereits zu seinem ökologischen Konzept. Und Köhler denkt schon darüber nach, wo es möglich ist, noch weitere Bereiche zu entsiegeln.
Fazit: Effekte auch durch kleine Maßnahmen
Im November 2024 startete in der Kreisstadt die Fördermaßnahme „Dietzenbach begrünt“, oder auch genannt „Haus- und Hofbegrünung“. Bewohnerinnen und Bewohner des Dietzenbacher Westends konnten mit Zuschüssen des hessischen Landwirtschaftsministeriums das Dach, die Fassade oder den Hof ihres Hauses, zu begrünen. Das größte Interesse bei Eigentümerinnen und Eigentümern im Westend lag bisher bei Entsiegelungen und Dachbegrünungen.
„Mit vergleichsweise kleinen Maßnahmen lassen sich große Effekte erzielen – für das Stadtklima, die Artenvielfalt und die Lebensqualität im eigenen Heim“, so Dietzenbachs Bürgermeister Dr. Dieter Lang. „Förderprogramme können – wie man sieht – ein guter Anstoß sein, ein vielleicht schon länger überlegtes Projekt umzusetzen und gleichzeitig dabei unterstützt zu werden“, schließt Klimaanpassungsmanager Alexander Haus.
Weitere Informationen unter www.dietzenbach.de/klima.